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75 Jahre Fußball beim SVR: Die Kleine Tierschau sorgte für gute Laune
Stage-Diving im Schlauchboot
Das Beste aus 25 Jahren Bandgeschichte in der Reuderner Gemeindehalle
Doch der schrecklichste der Schrecken ischt beim TÜV die Vollabnahm'! Alles andere als Schrecken empfanden am Samstag, 3. November, die Zuschauer jene Prozedur, die Eugen und Eugen in ihrer Eigenschaft als TÜV-Ingenieure in der Reuderner Gemeindehalle mit dem Do-it-yourself-Tuner eines leicht modifizierten Boxautos vornahmen.
Eugen und Eugen sind Ernst Mantel und Michael Schulig, der Tuner ist Michael Gaedt, zusammen haben sie als "Die Kleine Tierschau" das Wunder von Heubach wahr werden lassen und feierten mit der Fußballabteilung des SV Reudern ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Für jedes dieser Jahre hatte die dreiköpfige Comedy- und Musiktruppe von der Ostalb ungefähr eine Tonne Equipment mitgebracht, um damit die Gäste der auf 75 Jahre ihres Bestehens zurückblickenden Fußballabteilung zu erfreuen.
Und wie sich der Hartmut freute, als ihn Michael Gaedt an der Hand auf die Bühne führte, wo er eine enge Bekanntschaft mit einer Turbanwickelmaschine machen durfte. Dazu gab's ein Liebeslied aus Turkmenistan, aus dem allerdings nicht hervorging, ob der verliebte Turkmene den Turban tatsächlich gewickelt oder gedreht bevorzugt. Egal, das Publikum liebt die Mitspielnummern, wie Gaedt mit einem dämonischen Lächeln bestätigte, während die ersten Reihen schon zu zittern begannen, waren sie doch schon in den ersten Minuten der Show teilweise in Billardkugeln verwandelt worden, die nur durch das Erscheinen des Kommissars vor dem alles versenkenden Stoß gerettet wurden.

Ganz in Schwarz mit einem Trauerflor

Längst geleert hatte sich inzwischen der Kasten Bier, für den die Vorgruppe Stamheim (mit oim emm, weil mir eigentlich aus Zuffahausa send) auf die Reuderner Bühne gekommen war. Nach einem heftigen Metal-aller-Art-Gewitter verabschiedeten sich drei Kapuzenträger, um Sekunden später in Glitzeranzügen zu beweisen, dass sie mit einem fröhlichen Caravan of love auf den Lippen jeder Art von Schneckenhaus gewachsen sind. Weniger fröhlich klangen die Lustigen Lieder in Moll, die von Ganz in Schwarz mit einem Trauerflor über einem tapfer ertragenen don't worry, be happy zu der Erkenntnis führten, dass über den Wolken die Trübsal wohl grenzenlos sein muss.
Irgendwoher glaubte man auch die Songs zu erkennen, die das Trio in einem locker-flockigen Samba-Rhythmus zum Besten gab, doch erst mit dem Hören der Titelzeilen Born to be wild und Whole lotta love glaubte man wirklich, was sich die drei Burschen auf der Bühne da für eine Blasphemie auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Und die machte auch im weiteren Programm, das aus den Tierschau-Schauen der letzten 25 Jahre zusammengestellt war, nicht Halt vor Institutionen wie die Liebe unserer Kinderlein zu den Playmobilfiguren. Und die sind bei den Heubachern so schwul wie einst die Mainzelmännchen, zeigten es nur deutlicher in ihrer YMCA-Version.
Es ließen sich noch viele der im Stakkato auf das Publikum abgefeuerten Zwerchfell-Attacken aufzählen und ein alter Tierschau-Hase wie der Chronist, der das Trio schon zu Beginn der 80er-Jahre erlebt hat, erlebt mit einer gewissen Portion Rührung, wie sich der Wortwitz gemeinsam mit ihrer Fertigkeit im Tap-Dancing und der Monstrosität des Requisitenparks hin zu einer Quadratur der ursprünglich propagierten Alternative zum guten Geschmack entwickelt hat. So sei nur noch auf die zirka 50 Unterhosen aller Art verwiesen, die Micha Gaedt im Laufe eines medizinisch relevanten Fever-Anfalls Stück für Stück von seinen Lenden streift, knöpft oder nestelt, wie er dem Stage-Diving im selbst mitgebrachten Schlauchboot eine neue Dimension verleiht, während seine Kameraden im Matrosenanzügle das Aloha-He absingen.
25 Jahre, elf Programme und Hits wie "Lieber doof sein, als Gaby heißen" oder "Campari pur" hinterließen nun auch in Reudern Spuren und noch bis Sonntag früh sollen sich Spuren von dem Geruch des Zweitakterbenzins für die Minimotorräder in Reuderns Luft gehalten haben, mit denen das Trio sein Leben in der Todes-Acht riskierte. Dem Publikum in der voll besetzten Gemeindehalle wurde empfohlen: Probieret se's vielleicht drhoim z'erscht mit 'ra Todes-Sieba. 

Heinz Böhler